Geriatrie
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Ernährung im Alter
Mit zunehmenden Alter sinkt der Energiebedarf des Körpers durch Abnahme des Grundumsatzes und der meist auch abnehmenden körperlichen Aktivität. Diesen Umständen zufolge muss durch Reduktion der Nahrungsenergie Rechnung getragen werden.

Eine Orientierung darüber bietet auch im Alter das Körpergewicht. Leichtes bis mässiges Übergewicht ( BMI 25-30 kg/ m² ) wird im höheren Alter nach derzeitigem Wissenstand eher positiv gewertet und sollte nur bei bestehenden gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen reduziert werden. Andererseits sollte bei Unterernährung und bei erhöhtem Energiebedarf z.B. bei bestimmten Krankheiten auf eine reichliche Energiezufuhr geachtet werden.

Empfehlungen zum Lebensmittelverzehr (gem. Deutscher Gesellschaft für Ernährung, 1997)
Lebensmittel Häufigkeit Mengenangabe
Getreideprodukte täglich 5-6 Scheiben Brot (ca. 250 g)
täglich 1 Portion Reis oder Teigwaren
(70-90 g roh)
oder 1 Portion Kartoffeln
(ca. 250 g)
Gemüse täglich 1 Portion gegartes Gemüse
(200 g)
täglich 1 Portion Gemüserohkost (100 g)
täglich 1 Portion Salat (75 g)
Obst täglich 2 Stück oder Portionen (ca. 250 g)
Getränke täglich 1,5 - 2 l (Mineralwasser, Tee, verdünnte Säfte, Kaffee)
Milchprodukte täglich mindestens 2 Portionen; z.B. ¼ l fettarme Milch und 2 Scheiben Käse (60 g)
Seefisch pro Woche 1-2 Portionen (à 150 g)
Fleisch pro Woche 2-3 Portionen (max. à 150 g)
Wurst pro Woche 2-3 Portionen (max. à   50 g)
Eier pro Woche bis zu 3 Stück
Fette und Öle täglich maximal 40 g Streich- oder Kochfett;
z.B. 2 EL Butter oder Margarine und2 EL hochwertiges Pflanzenöl


Ballaststoffe:
Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornbrot, Gemüse, Kartoffeln, Obst ( v.a. Beeren und Trockenfrüchte ) sollten zur Vermeidung der weit verbreiteten Verstopfung ( Obstipation ) täglich auf dem Speiseplan stehen. Dabei ist darauf zu achten, dass nur bei gleichzeitig ausreichender Flüssigkeitszufuhr ( s.u. ) eine Quellung der Ballaststoffe im Darm möglich ist und die gewünschte Wirkung erzielt wird.

Beispiel zur Deckung des täglichen Ballaststoffbedarfs :
Lebensmittel Ballaststoffgehalt ( g )
   
2 Scheiben Vollkornbrot
8,5
1 grosser Apfel
3
1 Portion Karottensalat
6,5
1 Portion Kartoffeln
6
1 Scheibe Roggenmischbrot
3
1 Vollkornbrötchen
4
Zusammen
31


Kalzium- und Vitamin D-Bedarf :
Für den Knochenstoffwechsel und zur Vermeidung einer Osteoporose sind neben anderen Faktoren wie Hormonhaushalt und körperliche Bewegung der Kalziumgehalt im täglichen Essen und die Vitamin-D-Versorgung entscheidend. Die besten Kalziumlieferanten in unserer Nahrung sind mit Abstand Milch und Milchprodukte. Wer Milch nicht mag, kann auf Käse, Joghurt, Buttermilch, Dickmilch oder Kefir umsteigen. Vor allem Hartkäse enthält viel Kalzium.

Einige Gemüsesorten wie Grünkohl, Spinat, Fenchel und Broccoli sowie kalziumreiche Mineralwässer ( > 150 mg/ l ) tragen ebenfalls zum täglichen Kalziumbedarf bei.

Lebensmittel Kalziumgehalt ( mg )
200 ml Milch oder Kakao
240
50 g Edamer ( 30 % i. Tr. )
400
1 Becher Fruchtjoghurt
150
2 Scheiben Weizenvollkornbrot
60
200 g  Brokkoli gekocht
220
250 ml kalziumreiches Mineralwasser
125
Zusammen
1195

Die Versorgung mit Vitamin D lässt sich durch regelmässigen Verzehr von Seefisch und – da Vitamin D auch in der Haut durch Sonneneinstrahlung gebildet wird – durch täglichen Aufenthalt an der frischen Luft sicherstellen. Wer längere Zeit, z.B. wegen Erkrankung, ans Haus gebunden ist, dem bietet sich die zusätzliche Gabe von Vitamin D in Tablettenform an.


Trinkmenge - Trinkplan:
Auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr ( mindestens 1,5-2 l pro Tag ) ist im Alter durch nachlassendes Durstempfinden und verringerte Konzentrierungsfähigkeit der Niere besonders zu achten. Der Durst zeigt Wasserdefizite nicht mehr zuverlässig an, insofern muss vermehrt auch ohne Durst getrunken werden. Geeignet sind neben Mineralwässer ebenso gut Früchte- und Kräutertees oder mit Wasser verdünnte Säfte. Keine besonderen Einwände bestehen bei guter Verträglichkeit gegen Kaffee , Schwarztee oder in geringen Mengen an Alkohol.

Bei unzureichender Flüssigkeitsaufnahme kommt es aufgrund des geringeren Körperwassergehaltes im Alter und der langsameren Wiederherstellung des alten Gleichgewichtes sehr schnell zu Austrocknungszuständen. Zur Sicherung einer ausreichenden Trinkmenge können ein Tagestrinkplan und folgende Tipps hilfreich sein.

Beispiel für einen Tagestrinkplan :
Tageszeit Getränk Flüssigkeitsmenge ( ml )
morgens 1 Glas Wasser 200
2 Tassen Milchkaffee oder Tee 300
vormittags 1 Glas Saft oder Buttermilch 200
mittags 1 Tasse Brühe oder Suppe 150
1 Glas Mineralwasser 200
nachmittags 2 Tassen Milchkaffee 300
abends 2 Tassen Kräutertee 300
1 Glas Wein- oder Saftschorle oder Bier 200
zusammen 1850


Tipps zur Sicherung einer ausreichenden täglichen Trinkmenge:
Morgens die Getränke bereitstellen, die im Verlauf des Tages getrunken
werden sollen
Eingeschenkte Getränke immer in Reichweite stellen
Zwischendurch immer wieder einen Schluck trinken
Ein Glas Mineralwasser oder Tee zum Essen sollte zur Gewohnheit werden
Zwischen verschiedenen Getränken immer wieder abwechseln
Das Trinken geniessen - Getränke können ebenso wie ein gutes Essen ein
Genuss sein
Kontrolle der täglichen Trinkmenge : abends die getrunkene
Flüssigkeitsmenge zusammenzählen

Wichtig: Bei erhöhten Flüssigkeitsverlusten wie bei Durchfällen, Erbrechen und hohem Fieber ist es ausserordentlich wichtig, durch reichliches Trinken möglichst schnell einen Ausgleich der Flüssigkeitsbilanz zu schaffen. Eine Protokollierung der Trink- und Urinausscheidung sowie Gewichtskontrollen erleichtern im akuten Fall die Überwachung.